Rappn Report KW 37: zwei Rückrufe, Kürbis für 1.95
Zwei BLV-Warnungen, 35'000 verhagelte Kürbisse für CHF 1.95, Bundesgericht zu Vegi-Namen, die Woche gegen Food Waste: was das für deinen Einkauf heisst.

Die Woche in 60 Sekunden
- Zwei öffentliche Warnungen an einem Tag. Das BLV warnte am 11. September vor dem Migros Sélection Sashimi Lachsfilet mit dem aufgedruckten Datum 19.09.2026 (richtig ist der 11.09.2026) und vor Bio-Crevetten von Coop Naturaplan, in denen Salmonellen nachgewiesen wurden (BLV, 11. September 2026).
- 35'000 verhagelte Kürbisse für CHF 1.95 statt 4.80. Coop verkauft seit dem 10. September die Butternut- und Knirps-Kürbisse der Jucker Farm in Seegräben ZH unter dem Label Ünique (foodaktuell, 10. September 2026).
- «Salami», «Schinken» und «Mortadella» bleiben Fleischwörter. Das Bundesgericht hat bestätigt, dass die drei Begriffe nicht auf vegane Produkte gehören, im Fall von drei Artikeln, die Lidl Schweiz vertreibt (Urteil 2C_380/2025, berichtet von foodaktuell am 10. September 2026).
- 80 Kilo und rund 600 Franken pro Person und Jahr. So viel landet laut den Organisatoren der ersten nationalen Aktionswoche gegen Food Waste im Abfall; die Woche läuft vom 12. bis 20. September (watson, 12. September 2026).
Stand: 14. September 2026. Alle Zahlen stammen aus den verlinkten Quellen, publiziert zwischen dem 7. und 13. September. Wir rechnen nichts um und runden nichts.
Was muss ich nach den zwei Rückrufen im Kühlschrank prüfen?

Am Donnerstag, 11. September, hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) zwei Warnungen am selben Tag publiziert. Die erste betrifft das Migros Sélection ASC Sashimi Lachsfilet 140 g, Artikelnummer 2514.341.120.00, verkauft in Migros-Filialen in der ganzen Schweiz: Auf der Packung steht das Verbrauchsdatum 19.09.2026, richtig ist der 11.09.2026. Das BLV empfiehlt, das Produkt nach dem 11. September nicht mehr zu konsumieren. Wer es gekauft hat, kann es in die Filiale zurückbringen und erhält den Verkaufspreis zurück, schreibt 20 minutes (11. September 2026) unter Berufung auf den Rückruf der Migros.
Die zweite Warnung betrifft zwei Naturaplan-Produkte von Coop: Bio Crevetten Jumbo 120 g (Artikel 4.084.735) und Bio Crevetten Cocktail 150 g (Artikel 4.484.998), verkauft in Coop-Supermärkten, bei Coop City, Coop Pronto und auf coop.ch. In den Chargen 14127, 14120 und 14124 (Jumbo, Verbrauchsdaten 09.09.26 bis 17.09.26) sowie 14120 und 14132 (Cocktail, 14.09.26 bis 22.09.26) wurden Salmonellen nachgewiesen. Laut watson (10. September 2026) kosteten die Produkte CHF 7.95 und CHF 7.50 und waren vom 28. August bis 10. September im Verkauf; Coop erstattet den vollen Preis, wenn man sie zurückbringt.
Für deinen Einkauf: prüfe Artikelnummer und Charge auf der Packung, nicht den Namen. Wer den Unterschied zwischen Verbrauchsdatum und Mindesthaltbarkeitsdatum nachlesen will: unser Ratgeber zu MHD und Verbrauchsdatum erklärt ihn in zwei Minuten.
Warum verkauft Coop verhagelte Kürbisse für CHF 1.95?

Letzte Woche hat Hagel mehrere Hektaren erntereife Kürbisse der Jucker Farm in Seegräben ZH getroffen. In einem normalen Jahr wären sie kompostiert worden. Seit dem 10. September verkauft Coop 35'000 davon, Butternut und Knirps, unter dem Label Ünique für CHF 1.95 pro Stück. Der reguläre Preis eines Butternut liegt bei CHF 4.80, berichtet foodaktuell (10. September 2026). Coop erklärt, die Kürbisse seien qualitativ einwandfrei: Die Schale trägt Hagelspuren, das Fruchtfleisch nicht.
Ünique ist die Coop-Linie für Obst und Gemüse ausserhalb der optischen Norm, sonst meist krumme Rüebli und zu grosse oder zu kleine Kartoffeln. Diesmal ist die Menge ungewöhnlich: 35'000 Stück von einem einzigen Betrieb, solange der Vorrat reicht.
Für deinen Einkauf: CHF 1.95 gegen 4.80 ist eine vom Verkäufer erklärte Differenz mit Datum. Es sind 35'000 Stück: Rennen muss niemand.
Was ändert sich im Vegi-Regal nach dem Bundesgerichtsurteil?

Mit dem Urteil 2C_380/2025 vom 29. Juli 2026, über das foodaktuell am 10. September berichtete, hat das Bundesgericht den kantonalen Entscheid gegen drei vegane Produkte von Rügenwalder Mühle bestätigt, die Lidl Schweiz vertreibt. Das Kantonale Laboratorium Thurgau hatte im Herbst 2022 die Bezeichnungen «Salami», «Schinken» und «Mortadella» auf den Verpackungen beanstandet. Für das Gericht sind diese Begriffe gemäss Lebensmittelrecht Fleischerzeugnissen vorbehalten, unabhängig davon, wie deutlich der Rest der Packung «vegan» sagt.
Das ist kein Urteil über die Produkte, die im Verkauf bleiben, sondern eine Regel für die Namen. Vegane Alternativen mit Fleischbezeichnungen müssen umbenannt werden. Wer Etiketten liest, findet dasselbe Produkt künftig unter einem anderen Namen.
Für deinen Einkauf: wer vegane Alternativen kauft, schaut in den nächsten Monaten auf Zutatenliste und Marke, nicht auf den Namen vorne. Unser Ratgeber zum veganen Einkauf in der Schweiz sammelt Produkte und Preise pro Kette.
Wie viel Essen werfen wir wirklich weg, und was läuft diese Woche?

Vom 12. bis 20. September läuft die erste nationale Aktionswoche gegen Food Waste, koordiniert von foodwaste.ch und United Against Waste unter dem Motto «Mach mehr draus!». Über 50 Organisationen machen mit, darunter mehrere Kantone, zwei Ketten (Aldi und Volg) sowie die Verbände der Gastronomie und Hotellerie, berichtet watson (12. September 2026). Die Zahlen der Organisatoren: In der Schweiz gehen jährlich rund 2,8 Millionen Tonnen Lebensmittel entlang der ganzen Kette verloren, eine Person wirft im Schnitt 80 Kilogramm pro Jahr im Wert von rund 600 Franken weg, und würde eine Woche lang kein Haushalt eine Mahlzeit wegwerfen, liessen sich rund 30 Millionen Mahlzeiten retten.
Das sind Zahlen der Organisatoren, nicht unsere, und so geben wir sie wieder. Der Punkt fürs Portemonnaie ist einfach: 600 Franken pro Person sind Ausgaben, die auf keinem Kassenzettel als Verlust stehen, weil sie an der Kasse bezahlt und zu Hause verloren werden.
Für deinen Einkauf: der nützlichste Schritt der Woche ist keine Aktion, sondern der Tiefkühler. Unser Ratgeber zum Einfrieren sagt, was wie lange hält.
Was heisst das für deinen Einkauf?
Eine Woche ohne grosse Preisbewegungen. Den Rahmen liefert das Bundesamt für Statistik mit einer Zahl vom 3. September, also von vor dieser Woche: Im August stiegen die Konsumentenpreise gegenüber Juli um 0,4 Prozent, der Index steht bei 101,5 Punkten (Dezember 2025 = 100), die Jahresteuerung beträgt 0,8 Prozent; eine separate Zahl für Nahrungsmittel nennt die Mitteilung nicht. Neu in dieser Woche ist anderes: zwei Rückrufe, die man im Kühlschrank prüft, ein erklärter Preis auf 35'000 Kürbissen, eine Namensregel, die einige Packungen verändern wird, und eine Woche, die dem weggeworfenen Essen eine Zahl gibt. Keine der vier Nachrichten verlangt einen Wechsel des Supermarkts. Alle vier belohnen, wer die Etikette liest.
Drei kurze Fragen
Ich habe die Bio-Crevetten von Coop gekauft: Was tun? Vergleiche die Chargennummer mit der BLV-Warnung vom 11. September (14127, 14120, 14124 beim Jumbo; 14120, 14132 beim Cocktail). Stimmt sie überein, nicht konsumieren und zurückbringen: Coop erstattet den vollen Preis. Wer sie gegessen hat und Beschwerden spürt, soll laut BLV einen Arzt aufsuchen.
Sind die Ünique-Kürbisse schlechter? Coop erklärt sie für qualitativ einwandfrei: Der Hagel hat die Schale gezeichnet. Der Preis ist CHF 1.95 pro Stück gegenüber einem regulären Preis von CHF 4.80 für den Butternut, laut foodaktuell vom 10. September.
Verschwinden vegane Produkte aus dem Regal? Nein. Das Urteil betrifft drei Fleischwörter, nicht die Produkte. Die Namen auf den Packungen ändern sich.
Quellen dieser Woche
- BLV, Öffentliche Warnung: Falsches Verbrauchsdatum auf Migros Sélection Sashimi Lachsfilet, 11.09.2026.
- BLV, Öffentliche Warnung: Salmonellen in Bio Crevetten Jumbo und Bio Crevetten Cocktail von Coop Naturaplan, 11.09.2026.
- watson, Coop ruft Bio Crevetten zurück, 10.09.2026.
- 20 minutes, Rappel de produit: saumon sashimi Migros, 11.09.2026.
- foodaktuell, Coop verkauft verhagelte Kürbisse, 10.09.2026.
- foodaktuell, Vegi-Bezeichnungen: Lidl Schweiz unterliegt vor Bundesgericht, 10.09.2026.
- watson, Mitmach-Aktionswoche gegen Food Waste, 12.09.2026.
- BFS, Die Konsumentenpreise sind im August um 0,4 Prozent gestiegen, 03.09.2026 (Kontext, vor dieser Woche publiziert).
- foodaktuell, Brotgetreide: Swiss granum fordert stärkeren Grenzschutz, 11.09.2026.
Nächsten Montag
Heute, Montag, 14. September, berät der Ständerat vier Motionen zum Brotgetreide und zu den Importen von Backwaren: 2025 hat die Schweiz laut Swiss granum rund 164'000 Tonnen Backwaren importiert, fast dreimal so viel wie vor zwanzig Jahren (foodaktuell, 11. September 2026). Dieselbe Organisation sagt, die Auswirkungen auf den Brotpreis seien gering. Wir berichten nächsten Montag mit dem Resultat. In den ersten Oktobertagen publiziert das BFS den Preisindex für September. Der Rappn Report erscheint jeden Montag um 7 Uhr, hier auf rappn.ch.
Updates
- : Erstveröffentlichung. Korrekturen erscheinen hier, mit Datum.
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