Falsche Rabatte in Schweizer Supermärkten erkennen: der 2026er Guide
«50% reduziert» ist eine rechtliche Aussage, aber das Gesetz schreibt nicht vor, wie der reguläre Preis aussehen muss. Seit Januar 2025 reichen 30 Tage Vorpreis. Die Preisbekanntgabeverordnung (PBV), die sieben Mondpreis-Tricks, und die 60-Sekunden-Prüfung, die alle erwischt.

Wie erkennst du, ob ein Rabatt in einem Schweizer Supermarkt echt ist? Die 60-Sekunden-Methode: Grundpreis pro Kilo oder Liter ablesen, mit der Eigenmarke direkt daneben vergleichen, das Angebot in Rappn mit demselben Produkt bei den anderen Schweizer Detailhändlern vergleichen, das Kleingedruckte auf dem Schild lesen. Wenn zwei dieser vier Checks auffällig sind, ist die «Aktion» nicht das, wonach sie aussieht.
In der Schweiz ist «50 Prozent reduziert» eine rechtlich regulierte Aussage. Die eidgenössische Preisbekanntgabeverordnung (PBV, SR 942.211) definiert, was als Vergleichspreis zulässig ist. Der Haken: Die Regeln lassen den Detailhändlern genug Spielraum, um eine technisch legale Pseudo-Aktion zu konstruieren. So funktioniert es, und so durchschaust du es.
Quellen geprüft: Mai 2026. Bundesverordnung SR 942.211 (PBV), UWG SR 241 Artikel 16-20 und 24, SECO-Kontrollkampagnen 2024-2025, SECO-Beurteilung März 2026 zu Migros- und Coop-Mehrstück-Aktionen, IKEA-Schweiz-Intervention Mai 2026, K-Tipp-Aktionsanalysen 2017-2025, Beobachter August 2025.
Rappn ist die einzige neutrale Preisvergleichs-App für Lebensmittel in der Schweiz, ohne kommerzielle Vereinbarungen mit irgendeinem Detailhändler.
Was das Schweizer Recht wirklich verlangt
Die Preisbekanntgabeverordnung (PBV), SR 942.211, ist seit 1978 in Kraft und stützt sich auf die Artikel 16 bis 20 sowie Artikel 24 des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG, SR 241). Die Oberaufsicht hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), die operative Durchsetzung liegt bei den Kantonen.
Die PBV erlaubt drei Arten von Vergleichspreis:
- Selbstvergleich: der eigene frühere Preis. So funktioniert «reduziert von CHF 8.90 auf CHF 4.45».
- Konkurrenzvergleich: ein klar bezeichneter Mitbewerberpreis.
- Einführungspreis: der Markteinführungspreis eines neuen Produkts.
Am 30. Oktober 2024 hat der Bundesrat den Selbstvergleich reformiert (AS 2024 621), in Kraft seit 1. Januar 2025. Anbieter können jetzt zwischen zwei Regimen wählen:
- die alte Kurzfristregel: der durchgestrichene Preis muss mindestens doppelt so lange gegolten haben wie die Reduktion, der gesamte Selbstvergleich höchstens zwei Monate, oder
- die neue Langfristregel: ein Selbstvergleich darf zeitlich unbegrenzt laufen, sofern der höhere Vergleichspreis vorher mindestens 30 aufeinanderfolgende Tage tatsächlich gegolten hat.
Die neue Option reduziert Bürokratie, öffnet aber gleichzeitig die Tür für den klassischen Mondpreis: den regulären Preis kurz hochsetzen, um danach von diesem Kunstpreis aus zu rabattieren.
Die 7 häufigsten Tricks mit gefälschten Rabatten
1. Der Mondpreis
Ein «regulärer» Preis, der wenige Tage oder Wochen vor der Aktion gezielt erhöht wurde, damit der Rabatt grösser aussieht. Seit 1. Januar 2025 reicht ein 30-Tage-Fenster für einen legalen Selbstvergleich, was diesen Trick einfacher macht als zuvor. Der schnellste Test: in Rappn den «reduzierten» Preis mit demselben Produkt bei den anderen Schweizer Ketten vergleichen. Wenn Coop, Aldi oder Lidl dasselbe Produkt diese Woche günstiger zum Normalpreis verkaufen, ist der Schlagzeilen-Rabatt gegen einen kurz erhöhten Vorpreis gerechnet, nicht gegen den realen Markt.
2. Mehrstück-Aktion mit Mini-Schrift
«CHF 3.70» gross, gültig nur ab zwei Stück. CHF 4.95 klein, falls du eines kaufst. Im März 2026 hat das SECO die Migros-Preisetiketten für solche Aktionen als nicht regelkonform eingestuft und die Coop-Praxis als grenzwertig bezeichnet. Migros passt die Etiketten schweizweit an. Bis der Rollout durch ist, lohnt sich das Kleingedruckte.
3. Aktion teurer als die Eigenmarke
Der K-Tipp hat über drei Wochen rund 70 Coop- und Migros-Aktionen geprüft und festgestellt: Wenn ein entsprechendes Prix-Garantie- oder M-Budget-Produkt verfügbar ist, ist es meist günstiger als die rabattierte Markenware. Die «20 Prozent reduzierte» Tartare-Frischkäsesorte kostete pro Gramm trotzdem mehr als der dauerhaft günstige Eigenmarken-Frischkäse direkt daneben.
4. Die Packungsgrösse
Sechserpack «in Aktion» neben Zwölferpack zum Normalpreis. Pro Stück ist die Aktion manchmal die teurere Wahl. Der Grundpreis (gemäss Artikel 9 PBV bei verpackten Waren in der Regel Pflicht) ist der einzige verlässliche Vergleich.
5. Der «Familienpreis», der keiner ist
Im Mai 2026 hat das SECO bei IKEA Schweiz interveniert: Der gross beworbene «IKEA Family»-Preis ist nur für Mitglieder gültig, der reguläre Preis steht klein daneben. Migros Cumulus-Specials und Coop Supercard-Preise folgen einer ähnlichen Logik. Legal, wenn klar deklariert; täuschend, wenn das Etikett darauf setzt, dass du nicht hinschaust.
6. Der vorhersehbare Saisonzyklus
Der K-Tipp hat Coop- und Migros-Aktionen von 2017 bis 2025 ausgewertet: Dieselben Produkte sind jedes Jahr in derselben Woche in Aktion. Das ganze Coop-Weinsortiment war jährlich fünfmal zu minus 20 Prozent, je eine Woche Ende Februar oder Anfang März. Wenn ein Produkt jedes Jahr planbar im Aktionszyklus steckt, ist der «reguläre Preis» teilweise ein stabiler Mondpreis. Siehe auch den Schweizer Aktions-Kalender.
7. Aktion und Normalpreis am gleichen Regal
Der K-Tipp dokumentierte Fälle, in denen ein Aktionsetikett auf einer Packung klebte, während eine identische Packung ohne Etikett gleich daneben zum Normalpreis stand. Der Rabatt ist echt, aber nur für die markierte Ware; wer nicht hinschaut, zahlt voll.
Wie du den Rabatt in 60 Sekunden überprüfst
- Grundpreis lesen. CHF pro Kilo, pro Liter oder pro Stück. Liegt der Grundpreis höher, als du normalerweise in dieser Kategorie zahlst, ist der Rabatt kosmetisch.
- Eigenmarke daneben anschauen. Ist der Aktionspreis der Markenware immer noch teurer als das tagesübliche Prix-Garantie- oder M-Budget-Pendant, ist die Eigenmarke der bessere Kauf.
- In Rappn mit anderen Ketten vergleichen. Eine echte Aktion ist diese Woche günstiger als dasselbe Produkt bei Coop, Aldi oder Lidl. Ein Mondpreis ist es oft nicht, weil der «Rabatt» gegen einen kurz erhöhten Vorpreis derselben Filiale gerechnet wurde.
- Kleingedrucktes auf dem Schild. Mehrstück-Bedingung, Mitgliederpreis, kleinere Packungsgrösse: alles drei kann eine Schlagzeile irreführend machen.
Bei zwei auffälligen Checks: Aktion als kosmetisch behandeln.
Reale Beispiele aus 2025 und 2026
- März 2026, Migros und Coop: Nach Beschwerden an die RTS-Sendung A Bon Entendeur hat das SECO Migros-Etiketten als nicht regelkonform und Coop-Etiketten als grenzwertig beurteilt. Migros passt schweizweit an.
- Mai 2026, IKEA Schweiz: Nach einer Meldung der Stiftung für Konsumentenschutz hat das SECO IKEAs Family-Preisetiketten beanstandet. Rund 15'000 Artikel müssen umgeschildert werden.
- 2022 bis 2024, K-Tipp Eigenmarken: dokumentierte Preiserhöhungen bei M-Budget und Prix Garantie von bis zu 100 Prozent auf einzelnen Artikeln, vieles davon nicht in den Wochenpublikationen ausgewiesen.
- Beobachter, August 2025: drei wiederkehrende Tricks bei Lidl, Denner, Coop und Migros: Packungsgrössen-Manipulation, irreführende Konkurrenzvergleiche, nicht vergleichbare Produkte als vergleichbar dargestellt.
Deine Rechte als Schweizer Konsument
- Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) in der Deutschschweiz: meldet Fälle ans SECO.
- Fédération romande des consommateurs (FRC) in der Romandie.
- Associazione consumatrici e consumatori della Svizzera italiana (ACSI) im Tessin.
- K-Tipp / Saldo: unabhängige Konsumentenmagazine.
- Direkt ans SECO über das PBV-Kontaktformular, oder ans kantonale Amt für Wirtschaft, das die Kontrollen vor Ort macht.
Die PBV wird durchgesetzt. Das SECO führt jährliche Kontrollkampagnen durch (2024 Lebensmittelhandel, 2025 Coiffeurgeschäfte) und interveniert nach Beschwerden, wie die Migros- und IKEA-Fälle dieses Jahr zeigen. Für den breiteren Kontext, wie Schweizer Aktionen funktionieren, siehe wie Schweizer Aktionen funktionieren, und für die praktische Spar-Anleitung Lebensmittel sparen in der Schweiz.
Wie Rappn echte von gefakten Aktionen unterscheidet
Rappn zeigt den aktuellen Regalpreis jedes verfolgten Produkts in allen sieben grossen Schweizer Ketten parallel an. Geht ein Produkt bei einer Kette in Aktion, siehst du sofort, was alle anderen Ketten gerade für dasselbe Produkt verlangen, und damit, ob der «Rabatt» wirklich günstiger ist als die Konkurrenz oder nur günstiger als der kurz erhöhte Vorpreis derselben Filiale. Ein Preisalarm auf Produkte, die du regelmässig kaufst, meldet, wenn der ketten-übergreifend günstigste Preis dein Ziel erreicht, nicht wenn eine Kette einen Mondpreis «reduziert». Effekt im Alltag: du reagierst auf Grundpreise und auf Konkurrenzpreise, nicht auf Schlagzeilen-Prozente.
Rappn nimmt kein Geld von Detailhändlern, hat keine Provisionen und keine kommerzielle Voreingenommenheit. Beim nächsten «50 Prozent reduziert» zeigt dir die App, was jede andere Schweizer Kette gerade für dasselbe Produkt verlangt. Das ist der Unterschied zwischen echter Ersparnis und Mondpreis.
Quellen geprüft: .
Seit 1. Januar 2025 reichen 30 Tage Vorpreis für einen unbegrenzten Selbstvergleich. Die Monitored-Ansicht in Rappn zeigt dir dasselbe Produkt bei jeder anderen Schweizer Kette in Echtzeit. Eine echte Aktion ist diese Woche günstiger als die Konkurrenz. Ein Mondpreis oft nicht, weil der «Rabatt» gegen einen kurz erhöhten Vorpreis derselben Filiale gerechnet wurde.
Beobachtete Produkte
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Warum Rappn?
Rappn ist die einzige neutrale Preisvergleichs-App der Schweiz , ohne kommerzielle Vereinbarungen mit Detailhändlern. Das bedeutet: Unsere Vergleiche sind wirklich unabhängig.
- 100% kostenlos , kein Abo, keine versteckten Kosten
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Häufige Fragen
Ist es legal, in der Schweiz Rabatte zu fälschen?
Nein, irreführende Preiswerbung verstösst gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) und die Preisbekanntgabeverordnung (PBV). Ob ein konkreter Fall illegal ist, hängt davon ab, ob der Vergleichspreis die PBV-Bedingungen für Selbstvergleich, Konkurrenzvergleich oder Einführungspreis erfüllt. Die rechtliche Grauzone ist gross genug, um optisch aggressive Rabatte zu konstruieren, die formell trotzdem konform sind.
Was ist die Preisbekanntgabeverordnung?
Die PBV (SR 942.211) ist die eidgenössische Verordnung, welche regelt, wie Preise in der Schweiz angegeben und Rabatte beworben werden dürfen. Sie stützt sich auf das UWG (SR 241) und wird vom SECO auf Bundesebene überwacht, die kantonalen Behörden führen die Kontrollen durch.
Wie kann ich eine irreführende Aktion melden?
Über deine regionale Konsumentenorganisation (SKS, FRC oder ACSI), oder direkt ans SECO und an dein kantonales Amt für Wirtschaft. Die jüngsten Interventionen gegen Migros und IKEA zeigen: das Verfahren funktioniert.
Was ist ein Mondpreis?
Ein Mondpreis ist ein regulärer Preis, der nur kurz hochgesetzt wurde, um anschliessend rabattiert zu werden. Damit wirkt der Prozent-Rabatt grösser, als er ökonomisch ist. Seit 1. Januar 2025 reichen 30 aufeinanderfolgende Tage Vorpreis für einen unbegrenzten Selbstvergleich, weshalb der Vergleich des Angebots über alle Ketten heute wichtiger ist als je zuvor. Der einfachste Test: Verkaufen Coop, Aldi oder Lidl dasselbe Produkt diese Woche günstiger zum Normalpreis, ist der ausgewiesene Rabatt gegen einen aufgeblasenen Vorpreis gerechnet, nicht gegen den realen Markt.
Werden Schweizer Ketten für gefakte Aktionen gebüsst?
Der übliche erste Schritt des SECO ist die Aufforderung zur Korrektur, nicht die Busse. Zivilrechtliche Klagen nach UWG stehen Konkurrenten und Konsumentenorganisationen offen. Kantonale Behörden können bei schweren oder wiederholten Verstössen Strafen nach Artikel 24 UWG verhängen. Der grössere Hebel ist meist die Berichterstattung (RTS, SRF, K-Tipp, Beobachter).
