Warum kostet derselbe Artikel in der Schweiz nicht in jedem Laden gleich viel?
Weil das Ladenformat, der Betreiber, der Verkaufskanal und der Wochentag mehr entscheiden als das Logo an der Fassade. Die Preisbekanntgabeverordnung schreibt vor, wie ein Preis angeschrieben sein muss, nicht, dass er in jeder Filiale gleich hoch ist. Der öffentlich ausgemessene Fall innerhalb einer Kette stammt von Saldo (via blick.ch, 7. März 2024) und wurde im November 2024 beendet. Was heute in deinem Laden gilt, siehst du live in Rappn.
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Ja, das kommt vor, und meistens liegt es nicht an der Kette, sondern am einzelnen Laden. Ein Artikel mit demselben Strichcode kann im Quartier-Supermarkt, im Tankstellenshop und im Dorfladen drei verschiedene Preise tragen, obwohl über allen dreien dasselbe Logo hängt. Die Preisbekanntgabeverordnung schreibt vor, wie ein Preis angeschrieben sein muss, nicht, dass er in jeder Verkaufsstelle gleich hoch sein muss. Dieser Ratgeber ordnet die sechs Ursachen, zeigt den Fall, der in der Schweiz öffentlich ausgemessen wurde, und sagt, was davon im September 2026 noch gilt.
Stand: September 2026. Quellen: Preisbekanntgabeverordnung PBV (SR 942.211), zusammengefasst auf kmu.admin.ch; der Saldo-Preisvergleich zu Migros-Filialen via blick.ch (7. März 2024) und infosperber.ch (23. März 2024); 20 Minuten (17. November 2024); RTS (18. März 2026); migrolino-ag.ch; volg.ch (Zahlen 2025). Konkrete Regalpreise nennt dieser Ratgeber bewusst nicht: sie wechseln jeden Donnerstag.
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Muss eine Kette in allen Filialen denselben Preis verlangen?
Nein. Die Preisbekanntgabeverordnung (PBV, SR 942.211 vom 11. Dezember 1978) regelt die Anschrift, nicht die Höhe. In der Zusammenfassung des Bundes auf kmu.admin.ch steht: «Es ist der tatsächlich vom Konsumenten zu zahlende Preis in CHF bekanntzugeben», und zwar inklusive «öffentliche Abgaben (z. B. MwSt.), die Urheberrechtsvergütungen, nicht frei wählbare Zuschläge jeglicher Art». Für messbare Waren, deren Detailpreis von der verkauften Menge abhängt, ist zusätzlich der Grundpreis pro Liter oder Kilogramm anzugeben. Verstösse können mit einer Busse von bis zu CHF 20'000 geahndet werden.
Was in dieser Verordnung nicht steht, ist ebenso wichtig: Es gibt darin keine Pflicht, in zwei Verkaufsstellen derselben Kette denselben Betrag zu verlangen. Der Preis muss korrekt, vollständig und lesbar angeschrieben sein. Wie hoch er ausfällt, entscheidet, wer den Laden betreibt und mit welchen Kosten. Der Preis am Regal deines Ladens ist deshalb die einzige Zahl, die für deinen Einkauf zählt, und nicht ein schweizerischer Durchschnitt.
Dass die Anschrift selbst eine Fehlerquelle sein kann, zeigte sich 2026: Laut RTS vom 18. März 2026 kam das SECO bei Mehrstück-Aktionen zum Schluss, dass die Migros die Verordnung verletzt, weil der durchgestrichene Einzelpreis neben dem grossen Mehrstückpreis kaum lesbar war, während Coop an der Grenze des Zulässigen liege. Die Migros hielt fest, sie gestalte ihre Etiketten so, dass die Aktionen klar hervortreten; Coop nannte einen beanstandeten Fall einen menschlichen Fehler ohne Täuschungsabsicht.
Grund 1: das Ladenformat wiegt schwerer als das Logo
Ein grosser Supermarkt, ein Bahnhofshop, ein Tankstellenshop, ein Dorfladen und ein Cash-and-Carry-Markt haben völlig unterschiedliche Kostenstrukturen: Miete pro Quadratmeter, Öffnungszeiten, Personal pro Umsatzfranken, Lieferfrequenz, Grösse des Sortiments. Ein Shop, der sonntags und bis spät abends offen hat, trägt Kosten, die ein Quartierladen mit Schluss um 19 Uhr nicht hat. Der Unterschied, den du an der Kasse siehst, ist meistens genau dieser Kostenunterschied und keine Eigenschaft der Marke.
Aligro zeigt dasselbe von der anderen Seite: Das Cash-and-Carry-Format verkauft in Grossgebinden und ist ohne Mitgliedskarte für alle zugänglich, weshalb sich seine Preise nur über den Grundpreis pro Kilo oder Liter mit einem Supermarktregal vergleichen lassen.
Grund 2: wer die Kasse führt, ist nicht immer die Kette
Viele Verkaufsstellen mit bekanntem Logo gehören nicht dem Konzern, sondern werden von selbstständigen Unternehmerinnen und Unternehmern geführt. Bei migrolino steht das ausdrücklich in den eigenen Franchise-Unterlagen: «Der Franchisenehmer ist rechtlich selbstständig und handelt in eigener Verantwortung und auf eigene Rechnung» (migrolino-ag.ch, September 2026). Dieselbe Quelle nennt über 360 Standorte mit den Marken migrolino, mio und gooods, betrieben entweder von Franchisepartnern oder gemeinsam mit den strategischen Partnern Migrol, Shell, SOCAR und Piccadilly.
Auf dem Land gilt Vergleichbares. Volg wies für 2025 593 Volg-Läden aus, dazu 193 Verkaufsstellen von Freien Detaillisten und 121 TopShops an AGROLA-Tankstellen, zusammen 907 belieferte Verkaufspunkte (volg.ch). Freie Detaillisten und TopShops sind eigene Betriebe, die von Volg beliefert werden. Wer den Laden betreibt, trägt die Kosten und setzt entsprechend den Preis, und genau deshalb ist der Bahnhofshop nicht einfach eine kleine Ausgabe des Supermarkts.
| Verkaufsstelle | Wer sie führt | Was daraus für den Regalpreis folgt | Quelle und Datum |
|---|---|---|---|
| Coop-Supermarkt | Coop selbst | Coop nennt schweizweit einheitliche Preise für identische Produkte | infosperber.ch, 23. März 2024 |
| Migros-Supermarkt | die regionalen Genossenschaften | Die punktuelle Preisdifferenzierung zwischen Filialen wurde im November 2024 aufgegeben | 20 Minuten, 17. November 2024 |
| migrolino- und mio-Shop an Tankstelle oder Bahnhof | über 360 Standorte, geführt von Franchisepartnern oder gemeinsam mit Migrol, Shell, SOCAR und Piccadilly | Der Franchisenehmer ist rechtlich selbstständig und handelt auf eigene Rechnung | migrolino-ag.ch, September 2026 |
| Volg-Dorfladen und TopShop | 2025: 593 Volg-Läden, 193 Verkaufsstellen Freier Detaillisten, 121 TopShops an AGROLA-Tankstellen | Freie Detaillisten führen eigene Läden und werden von Volg nur beliefert | volg.ch, Zahlen 2025 |
Grund 3: die Lage, und der Fall, der öffentlich ausgemessen wurde
Öffentlich ausgemessen wurde das Phänomen innerhalb einer Kette bisher vor allem in einem Fall, und er betrifft die Migros. Ein Preisvergleich der Konsumentenzeitschrift Saldo, wiedergegeben von blick.ch am 7. März 2024, fand bei Offenware wie Äpfeln, Grapefruits, Orangen, Birnen, Tomaten und Auberginen unterschiedliche Preise in verschiedenen Filialen derselben Stadt. Rund 30 Filialen der Genossenschaft Zürich lagen über dem Rest, genannt wurden unter anderem Zürich Löwenstrasse, Zürich Hauptbahnhof, Küsnacht, Thalwil und Zumikon. Die Migros Zürich begründete das mit «kostentreibende Faktoren wie Mietpreise oder Ladenöffnungszeiten», die Migros Basel mit langen Öffnungszeiten inklusive Sonn- und Feiertagen.
| Was gemessen wurde | Ergebnis | Quelle und Datum |
|---|---|---|
| Greenstar-Äpfel, 1 kg, Zürich Kreuzplatz | CHF 5.60 | Saldo, wiedergegeben von blick.ch, 7. März 2024 |
| Greenstar-Äpfel, 1 kg, Zürich Stadelhofen, 500 Meter entfernt | CHF 5.20 | Saldo, wiedergegeben von blick.ch, 7. März 2024 |
| Durchschnittlicher Aufschlag auf Offenware, Stadt Zürich | 7,5 Prozent | Saldo, wiedergegeben von 20 Minuten, 17. November 2024 |
| Höchster gemessener Aufschlag, Stadt Zürich | bis 11 Prozent | Saldo, wiedergegeben von blick.ch, 7. März 2024 |
| Durchschnittlicher Aufschlag, Basel | rund 10 Prozent | Saldo, wiedergegeben von 20 Minuten, 17. November 2024 |
| Zusatzumsatz der Migros Zürich aus dieser Praxis, 2023 | rund 2,64 Millionen Franken, etwa 0,1 Prozent des Supermarktumsatzes | Saldo, wiedergegeben von blick.ch und infosperber.ch, März 2024 |
Wichtig ist der zweite Teil der Geschichte, den man selten mitliest: Die Praxis wurde beendet. Am 17. November 2024 berichtete 20 Minuten, die Migros gebe «im Zuge der neuen nationalen Preisstrategie die Preisdifferenzierung, welche punktuell zur Anwendung kam, auf», begleitet von Preissenkungen auf mehr als 1'000 Produkten. Dieselbe Quelle hält fest, dass nicht alle Regionen gleich stark profitieren, weil die Senkungen von unterschiedlichen Ausgangsniveaus starten. Auf der Unternehmensseite hatte die Migros bereits Ende Oktober 2024 angekündigt, die Preise bei Früchten und Gemüse auf Discounter-Niveau zu senken und das Programm 2025 auf über 1'000 Artikel auszuweiten.
Zum Vergleich: Infosperber zitierte am 23. März 2024 Coop mit «schweizweit einheitliche Preise für identische Produkte». Zwei Ketten, zwei Modelle, und beide haben sich seither bewegt. Deshalb taugt keine Faustregel von 2024 als Antwort auf die Frage, was heute im Laden an deiner Ecke steht.
Grund 4: Region und Kanton, und was Genossenschaften damit zu tun haben
Bei der Migros ist die regionale Ebene organisatorisch verankert: Der Detailhandel läuft über regionale Genossenschaften, die ihr eigenes Gebiet bewirtschaften, regionale Sortimente führen und eigene Ausgaben des Wochenprospekts herausgeben. Wie diese Aufteilung genau funktioniert und welche Genossenschaft für welches Gebiet zuständig ist, steht im Ratgeber zu den Migros-Genossenschaften und ihren Regionen. Für die Preisfrage reicht die kurze Fassung: Eine regionale Struktur kann regionale Sortimente und regionale Aktionen erzeugen, und ein Artikel, der in einer Region beworben wird, muss in der Nachbarregion nicht im Prospekt stehen.
Der Kanton selbst macht den Preis nicht. Die Mehrwertsteuer ist eidgenössisch, nicht kantonal. Was kantonal variiert, sind die Rahmenbedingungen: Ladenöffnungsgesetze, Mieten, Bevölkerungsdichte, Anzahl konkurrierender Läden im Umkreis. Wie stark sich das am Ende auf den Wochenkorb auswirkt, behandelt der Ratgeber Wo Lebensmittel in der Schweiz am günstigsten sind.
Grund 5: online und im Laden sind zwei Verkaufskanäle
Der Online-Shop einer Kette ist ein eigener Kanal mit eigenem Sortiment, eigenen Packungsgrössen und, entscheidend, mit Liefer- oder Abholkosten, die auf den Warenwert kommen. Ein Warenkorb, den du online zusammenstellst, und derselbe Warenkorb im Laden sind darum selten derselbe Betrag, auch wenn kein einziger Artikel anders ausgezeichnet ist. Was sich beim Vergleich der beiden Kanäle wirklich lohnt und wo die Fallen liegen, steht im Ratgeber Online- gegen Ladenpreise.
Grund 6: manchmal heisst «anderer Preis» nur «anderer Tag»
Ein grosser Teil der wahrgenommenen Unterschiede ist gar keine Ortsfrage, sondern eine Zeitfrage. Migros, Coop und Denner starten ihre Wochenaktionen am Donnerstag, Coop seit der Woche vom 21. Januar 2025, Migros und Denner seit dem 5. Februar 2026. Aldi Suisse und Lidl Schweiz bringen zweimal pro Woche neue Angebote, am Montag und am Donnerstag. Wer am Mittwoch und am Freitag im selben Laden steht, sieht denselben Artikel zu zwei Preisen, ohne dass die Kette irgendetwas zwischen zwei Filialen unterschieden hätte.
Dazu kommt der Vergleichspreis auf der Etikette. Seit dem 1. Januar 2025 darf laut kmu.admin.ch neben dem tatsächlich zu zahlenden Preis nur dann ein Vergleichspreis ausgewiesen werden, wenn die Ware zuvor mindestens 30 Tage zu diesem Preis angeboten wurde (Art. 16 Abs. 1 PBV). Der durchgestrichene Preis ist also eine geregelte Aussage über die Vergangenheit, kein Beweis über den Nachbarladen. Weil sich die Preise jeden Donnerstag verschieben, zeigt Rappn die aktuell gültigen Angebote statt einer Momentaufnahme, gefiltert nach Kette und Kanton. Wie der Aktionskalender insgesamt tickt, erklärt der Ratgeber Wie Schweizer Aktionen funktionieren.
So prüfst du den Preis in dem Laden, in dem du wirklich einkaufst
Eine ehrliche Antwort auf «kostet das überall gleich viel» lautet: Es kommt darauf an, und zwar auf das Format, auf den Betreiber, auf den Kanal und auf den Wochentag, in dieser Reihenfolge. Die Konzernebene ist die schwächste der vier. Praktisch heisst das: Vergleiche nicht Ketten gegen Ketten, sondern den Artikel, den du kaufen willst, quer über die Ketten, in deinem Kanton, an dem Tag, an dem du einkaufst, und über den Grundpreis statt den Packungspreis.
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Häufige Fragen
Sind die Preise einer Kette in allen Filialen gleich?
Nicht zwingend, und die Verordnung verlangt es auch nicht. Die Preisbekanntgabeverordnung (SR 942.211) regelt laut der Zusammenfassung des Bundes auf kmu.admin.ch nur, dass der tatsächlich zu zahlende Preis in CHF anzuschreiben ist, inklusive Mehrwertsteuer und nicht frei wählbarer Zuschläge, und dass bei messbaren Waren der Grundpreis dazugehört. Ob zwei Verkaufsstellen derselben Kette denselben Betrag verlangen, entscheidet die Kette, nicht das Gesetz. Coop nannte gegenüber infosperber.ch am 23. März 2024 schweizweit einheitliche Preise für identische Produkte.
Warum ist der Tankstellenshop teurer als der Supermarkt derselben Marke?
Weil es oft ein anderes Unternehmen ist. Bei migrolino steht in den eigenen Franchise-Unterlagen: «Der Franchisenehmer ist rechtlich selbstständig und handelt in eigener Verantwortung und auf eigene Rechnung» (migrolino-ag.ch, September 2026). Dazu kommen die Kostentreiber des Formats: Miete an Hochfrequenzlagen, lange Öffnungszeiten inklusive Sonntag, kleinere Verkaufsfläche, häufigere Lieferungen. Einen prozentualen Aufschlag nennt dieser Ratgeber bewusst nicht, weil dazu keine öffentliche, datierte Messung vorliegt.
Hat die Migros wirklich in teuren Quartieren mehr verlangt?
Das war ein dokumentierter Fall, und er ist beendet. Ein Preisvergleich von Saldo, wiedergegeben von blick.ch am 7. März 2024, fand bei Offenware Aufschläge von durchschnittlich 7,5 Prozent in der Stadt Zürich und rund 10 Prozent in Basel, mit Spitzenwerten bis 11 Prozent; Greenstar-Äpfel kosteten am Zürcher Kreuzplatz CHF 5.60 pro Kilo und 500 Meter entfernt am Stadelhofen CHF 5.20. Am 17. November 2024 berichtete 20 Minuten, die Migros gebe diese Preisdifferenzierung im Zuge der neuen nationalen Preisstrategie auf.
Macht der Kanton den Preis?
Nicht direkt. Die Mehrwertsteuer ist eidgenössisch geregelt, nicht kantonal. Kantonal unterscheiden sich die Rahmenbedingungen: Ladenöffnungsgesetze, Mieten, Bevölkerungsdichte und die Zahl konkurrierender Läden im Umkreis. Dazu kommt die regionale Ebene der Migros-Genossenschaften mit eigenen Sortimenten und eigenen Prospektausgaben. Welcher Kanton am Ende wie abschneidet, behandelt der Ratgeber zu den günstigsten Lebensmitteln in der Schweiz.
Warum sehe ich denselben Artikel am Mittwoch und am Freitag zu zwei Preisen?
Weil dazwischen der Aktionsstart liegt. Migros, Coop und Denner starten ihre Wochenaktionen am Donnerstag, Coop seit der Woche vom 21. Januar 2025, Migros und Denner seit dem 5. Februar 2026. Aldi Suisse und Lidl Schweiz bringen zusätzlich am Montag eine Runde. Der Unterschied ist dann kein Filialunterschied, sondern ein Kalenderunterschied. Welche Preise gerade gelten, siehst du live in Rappn, gefiltert nach Kette und Kanton.
Was sagt der durchgestrichene Preis auf der Etikette aus?
Etwas über die Vergangenheit, nicht über den Nachbarladen. Laut kmu.admin.ch darf seit dem 1. Januar 2025 neben dem tatsächlich zu zahlenden Preis nur dann ein Vergleichspreis stehen, wenn die Ware zuvor mindestens 30 Tage zu diesem Preis angeboten wurde (Art. 16 Abs. 1 PBV). Dass die Etikette selbst zur Fehlerquelle werden kann, zeigte der SECO-Befund zu Mehrstück-Aktionen, über den RTS am 18. März 2026 berichtete. Verstösse gegen die Verordnung können mit einer Busse von bis zu CHF 20'000 geahndet werden.
