Supermarkt-Duelle8 Min. LesezeitAktualisiert:

Wo die Billiglinie fehlt: die Regale ohne günstige Variante

Im September 2026 listete die Sortimentsseite von migros.ch 521 M-Budget-Artikel, davon nur 9 bei Früchten und Gemüse, 7 bei Baby und Kind und einen einzigen bei Wein, Bier und Spirituosen. Bei Coop ergab die Suche nach «Prix Garantie» auf coop.ch 943 Treffer. Bon à Savoir zählte die beiden Linien am 5. Juni 2024 auf rund 700 und rund 1'500 Artikel gegenüber mehreren zehntausend Produkten im Gesamtsortiment. Fehlt die Einstiegsstufe, kostet die nächste Stufe laut derselben Ausgabe 50 Prozent mehr bei Migros und 71 Prozent mehr bei Coop.

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Schweizer Supermarktregal mit Preisetiketten, auf dem in einer Warengruppe keine günstige Eigenmarken-Variante steht

Eine Billiglinie nützt nur dort, wo sie im Regal auch wirklich steht. Im September 2026 listete die Sortimentsseite migros.ch/de/brand/m-budget insgesamt 521 M-Budget-Artikel, verteilt auf sechzehn Rubriken: 64 bei Milchprodukten, Eiern und frischen Fertiggerichten, aber nur 9 bei Früchten und Gemüse, 7 bei Baby und Kind und ein einziger bei Wein, Bier und Spirituosen. Bei Coop lieferte eine Produktsuche nach «Prix Garantie» auf coop.ch im selben Monat 943 Treffer. Diese Zahlen sagen nicht, welche Kette günstiger ist. Sie sagen, in welchen Regalen die Einstiegsstufe fehlt, und genau diese Lücke treibt den Kassenbon stärker als der Regalpreis.

Stand: September 2026. Quellen: Sortimentsseite M-Budget auf migros.ch und Produktsuche «Prix Garantie» auf coop.ch, beide im September 2026 ausgelesen; Sortimentsseite von aldi-suisse.ch und Kategoriebaum von sortiment.lidl.ch, September 2026; denner.ch, September 2026. Konsumentenquellen: Bon à Savoir 06-2024 vom 5. Juni 2024 (Sébastien Sautebin), Bon à Savoir 03-2023 vom 15. März 2023 und 01-2023 vom 18. Januar 2023 (Kevin Gertsch), Bon à Savoir 07-2023 vom 5. Juli 2023 (Claire Houriet Rime); K-Tipp 01/2026 vom 14. Januar 2026 (Markus Fehlmann) und K-Tipp 05/2023 vom 14. März 2023 (Christian Gurtner). Wochenpreise nennt dieser Ratgeber bewusst nicht: sie ändern jede Woche.

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Wie viele Billiglinien-Artikel gibt es überhaupt?

Weniger, als das Regalbild vermuten lässt. Migros beschreibt M-Budget auf der eigenen Sortimentsseite als «Grün, weiss, Tiefpreis» und hält dort fest, die Preise würden regelmässig von einem unabhängigen Marktforschungsinstitut verglichen und bei Bedarf umgehend angepasst. Ausgelesen im September 2026 zeigte dieselbe Seite 521 Artikel. Bei Coop ergab die Produktsuche nach «Prix Garantie» im September 2026 943 Treffer, allerdings ohne Kategoriefilter, weshalb sich daraus keine Rubrikenkarte bauen lässt.

Zum Vergleich der Grössenordnung: Bon à Savoir bezifferte die beiden Linien in der Ausgabe 06-2024 vom 5. Juni 2024 auf «quelques 700 et 1500 articles», also rund 700 M-Budget- und rund 1'500 Prix-Garantie-Artikel, und stellte sie mehreren zehntausend Produkten im Gesamtsortiment der beiden Grossverteiler gegenüber. Die beiden Zählweisen messen nicht dasselbe: unsere Zahlen sind Momentaufnahmen einer Sortimentsseite und einer Suchmaske im September 2026, die Zahlen von Bon à Savoir stammen aus dem Juni 2024. Beide führen aber zum selben Befund. Die Einstiegsstufe deckt einen kleinen Teil des Sortiments ab.

Die Abdeckungskarte, Regal für Regal

Die folgende Tabelle ist keine Preisliste, sondern eine Bestandsaufnahme: sie zeigt, wie sich die 521 M-Budget-Artikel im September 2026 auf die Rubriken verteilten, die Migros auf der eigenen Sortimentsseite selbst verwendet. Die Prozentspalte ist unsere Rechnung auf dieser Basis.

Rubrik laut migros.chM-Budget-Artikel (September 2026)Anteil an 521
Milchprodukte, Eier und frische Fertiggerichte6412,3%
Snacks und Süssigkeiten6412,3%
Pasta, Würzmittel und Konserven479,0%
Beauty und Gesundheit468,8%
Tiefkühlprodukte448,4%
Getränke, Kaffee und Tee438,3%
Reinigung, Wäschepflege und Haushalt417,9%
Fleisch und Fisch407,7%
Küche und Wohnbereich356,7%
Brot, Backwaren und Frühstück316,0%
Tierbedarf214,0%
Bekleidung und Accessoires214,0%
Früchte und Gemüse91,7%
Baby und Kind71,3%
Papeterie, Büro und Elektronikzubehör71,3%
Wein, Bier und Spirituosen10,2%

Die vier untersten Zeilen sind der eigentliche Befund. Wer den Wocheneinkauf über Frischware, Babyartikel oder Getränke mit Alkohol plant, findet dort im September 2026 fast keine Einstiegsstufe und landet direkt bei der nächsthöheren Linie oder beim Markenartikel. Für die Rubriken oben gilt das Gegenteil: Milchprodukte, Snacks, Konserven und Reinigungsmittel sind gut abgedeckt, dort ist die günstige Variante meist vorhanden.

Was die fehlende Einstiegsstufe kostet

Der Preisunterschied zur nächsten Stufe ist dokumentiert. Bon à Savoir hielt am 5. Juni 2024 (Ausgabe 06-2024, Sébastien Sautebin) fest, Artikel der Linie Qualité & Prix seien 71 Prozent teurer als jene von Prix Garantie, während M-Classic 50 Prozent mehr koste als M-Budget. Fehlt die Einstiegsstufe in einem Regal, ist das also kein kleiner Aufschlag, sondern eine halbe bis dreiviertel Preisstufe mehr für dieselbe Warengruppe.

Dieselbe Redaktion beobachtete auch, dass die Billiglinien selbst nicht vor Teuerung geschützt sind: in der Ausgabe 07-2023 vom 5. Juli 2023 (Claire Houriet Rime) verteuerte sich das knusprige Müesli von M-Budget innerhalb eines Jahres um 23 Prozent, jenes von Prix Garantie um 38 Prozent, verglichen an rund vierzig Produkten. Eine Billiglinie ist damit ein Preisniveau, kein Preisversprechen. Wer wissen will, was diese Woche gilt, muss die aktuellen Preise ansehen: Migros, Coop und Denner starten ihre Wochenaktionen am Donnerstag, Aldi Suisse und Lidl Schweiz zusätzlich am Montag, und Rappn zeigt die dann gültigen Angebote aller sieben Ketten nebeneinander. Wie sich die beiden Linien direkt gegenüberstehen, steht im Vergleich M-Budget vs Prix Garantie.

Bei den Discountern gibt es keine zweite Stufe nach unten

Bei Aldi Suisse und Lidl Schweiz ist die Eigenmarke selbst die Einstiegsstufe, es gibt darunter keine separate Billiglinie. Die Sortimentsseite von aldi-suisse.ch wies im September 2026 2'280 Artikel für das gesamte Schweizer Sortiment aus, mit Eigenmarken wie Monarc, Le Gusto, Cucina, Almare, Bellasan, Happy Harvest oder Bio Natura und einer Kennzeichnung «Tiefpreis» für die tiefsten Preise. Das ist die andere Form derselben Lücke: fehlt eine Warengruppe in diesen 2'280 Artikeln, gibt es dort gar keinen Einstiegspreis, weder einen günstigen noch einen teuren.

Linie und KetteGezählte ArtikelQuelle und Datum
M-Budget (Migros)521 auf der Sortimentsseitemigros.ch/de/brand/m-budget, September 2026
M-Budget (Migros)rund 700 ArtikelBon à Savoir 06-2024, 5. Juni 2024
Prix Garantie (Coop)943 Suchtreffercoop.ch, September 2026
Prix Garantie (Coop)rund 1'500 ArtikelBon à Savoir 06-2024, 5. Juni 2024
Aldi Suisse, Gesamtsortiment2'280 Artikelaldi-suisse.ch, September 2026

Für Lidl Schweiz veröffentlicht sortiment.lidl.ch keine Gesamtzahl, wohl aber den Kategoriebaum mit Rubriken von Milchprodukten und Früchten bis Baby, Tiernahrung und Haushalt sowie die Linie Qualité Suisse (September 2026). Denner führt neben der eigenen Marke die Linie IP-SUISSE (denner.ch, September 2026). Für Aligro und Otto's haben wir keine belastbare öffentliche Sortimentszahl gefunden, deshalb steht hier auch keine. Wie sich Discounter und Grossverteiler insgesamt schlagen, behandelt der Beitrag Discounter in der Schweiz.

Günstig heisst nicht schlecht, und wo es doch schiefgeht

Die Qualitätsfrage ist unabhängig von der Preisfrage getestet. K-Tipp wertete am 14. März 2023 (Ausgabe 05/2023, Christian Gurtner) 111 Qualitätstests aus zwei Jahren aus: die Durchschnittsnote der Markenartikel lag bei 4,57, jene der Eigenmarken bei 4,58; Markenartikel gewannen 54 der 111 Tests, Eigenmarken 57. Eine Stichprobe von 100 Produkten ergab, dass Eigenmarken im Schnitt 41 Prozent günstiger waren.

Die Auswertung des Testjahrs 2025 (K-Tipp 01/2026 vom 14. Januar 2026, Markus Fehlmann) zeigt dasselbe Muster: in 16 von 32 Lebensmittel- und Kosmetiktests schnitt mindestens ein Produkt von Aldi, Denner, Lidl oder aus den Billiglinien M-Budget und Prix Garantie besser ab als das teuerste Produkt im Test, und sechs Mal stellten die Billiglinien den Testsieger, gegenüber drei Mal bei den teuersten Produkten. Genannt werden unter anderem der Allzweckreiniger von M-Budget vor Meister Proper, Der General und Ajax sowie der Bohnenkaffee Prix Garantie mit der Note «gut», gleichauf mit einem mehr als viermal so teuren Starbucks-Kaffee. Umgekehrt fiel dieselbe Auswertung bei Balsamicoessig, Tomatenmark und Nuss-Nougat-Aufstrichen zulasten der günstigsten Produkte aus, dort lautete das Urteil «ungenügend» wegen heikler Pestizide.

Bon à Savoir kam am 18. Januar 2023 (Ausgabe 01-2023, Kevin Gertsch) über einen anderen Weg am selben Punkt an: das dreilagige M-Budget-WC-Papier aus Recyclingfasern, CHF 3.25 für die Packung und CHF 0.27 pro Rolle, erhielt dort die Beurteilung «Très bon (5.8/6)». Mehr dazu im Beitrag Eigenmarke oder Marke.

Gelistet, aber nicht im Regal

Eine Billiglinie kann auf dem Papier existieren und trotzdem fehlen. Genau das dokumentierte Bon à Savoir am 15. März 2023 (Ausgabe 03-2023, Kevin Gertsch): der Betrag des Musterwarenkorbs stieg bei Migros, weil einzelne M-Budget-Artikel zum Zeitpunkt des Ladenbesuchs nicht verfügbar waren. Die Methode des Observatoire des prix ist dabei transparent: 53 Produkte des täglichen Bedarfs, jeden Monat gleichzeitig bei vier Grossverteilern erhoben. Im Februar jenes Jahres war der Warenkorb bei Aldi mit CHF 129.75 am günstigsten, 3,9 Prozent unter dem Vormonat, gegenüber CHF 130.65 beim nächsten Anbieter.

Dieselbe Redaktion widmete der Verfügbarkeit in der Ausgabe 07-2023 einen eigenen Abschnitt unter dem Titel «Peu disponibles dans les grandes villes», also schlechte Verfügbarkeit der Billiglinien in den grossen Städten. Für den Haushalt heisst das: Die Frage ist nicht nur, ob es die günstige Variante gibt, sondern ob sie in deiner Filiale liegt. Welche Eigenmarken sich sonst lohnen, steht in Beste Eigenmarken in der Schweiz.

So prüfst du deine eigenen Regale

Es kommt darauf an, was in deinem Warenkorb liegt, und das lässt sich nachrechnen. Nimm deine letzten Einkäufe, markiere jede Position, für die du keine Einstiegsvariante gefunden hast, und schau dir für genau diese Positionen den Grundpreis pro Kilo oder Liter an, nicht den Packungspreis. Bei messbaren Waren muss dieser Grundpreis ohnehin auf der Regaletikette stehen, er ist nur kleiner gedruckt. Danach vergleichst du dieselbe Position über die Ketten hinweg, statt innerhalb einer einzigen Kette nach unten zu suchen.

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Quellen geprüft: .

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Häufige Fragen

In welchen Rubriken fehlt die Billiglinie am deutlichsten?

Auf der Sortimentsseite von migros.ch verteilten sich die 521 M-Budget-Artikel im September 2026 sehr ungleich. Am dünnsten waren Wein, Bier und Spirituosen mit einem Artikel, Baby und Kind mit 7, Papeterie und Elektronikzubehör mit 7 sowie Früchte und Gemüse mit 9. Am besten abgedeckt waren Milchprodukte, Eier und frische Fertiggerichte sowie Snacks und Süssigkeiten mit je 64 Artikeln.

Was kostet es, wenn die günstige Variante im Regal fehlt?

Laut Bon à Savoir 06-2024 vom 5. Juni 2024 sind Artikel der Linie Qualité & Prix 71 Prozent teurer als jene von Prix Garantie, und M-Classic kostet 50 Prozent mehr als M-Budget. Fehlt also die Einstiegsstufe, greifst du zur nächsthöheren Linie und zahlst diesen Aufschlag für dieselbe Warengruppe.

Wie viele Artikel umfassen M-Budget und Prix Garantie?

Das hängt von der Zählweise ab, deshalb nennen wir beide. Die Sortimentsseite migros.ch/de/brand/m-budget zeigte im September 2026 521 M-Budget-Artikel, und die Produktsuche nach «Prix Garantie» auf coop.ch lieferte im selben Monat 943 Treffer. Bon à Savoir bezifferte die Linien in der Ausgabe 06-2024 vom 5. Juni 2024 auf rund 700 und rund 1'500 Artikel gegenüber mehreren zehntausend Produkten im Gesamtsortiment.

Haben Aldi Suisse und Lidl Schweiz eine eigene Billiglinie?

Nein, dort ist die Eigenmarke selbst die Einstiegsstufe, eine separate Linie darunter gibt es nicht. Die Sortimentsseite von aldi-suisse.ch wies im September 2026 2'280 Artikel für das gesamte Schweizer Sortiment aus, mit Eigenmarken wie Monarc, Le Gusto, Cucina oder Bio Natura und einer Kennzeichnung «Tiefpreis». Fehlt eine Warengruppe in diesem Sortiment, gibt es dort gar keinen Einstiegspreis.

Ist eine Billiglinie qualitativ schlechter?

Im Durchschnitt nicht. K-Tipp wertete am 14. März 2023 (05/2023) 111 Qualitätstests aus zwei Jahren aus: Markenartikel erreichten im Schnitt 4,57, Eigenmarken 4,58, bei 54 zu 57 Testsiegen. In der Auswertung des Testjahrs 2025 (K-Tipp 01/2026 vom 14. Januar 2026) schnitt in 16 von 32 Tests mindestens ein Discounter- oder Billiglinien-Produkt besser ab als das teuerste Produkt. Bei Balsamicoessig, Tomatenmark und Nuss-Nougat-Aufstrichen fiel dasselbe Urteil hingegen ungenügend aus.

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